
Letztens waren sie ja da: Die Plejaden, oder Perseden,... oder so... Sternschnuppen halt. Kommen jedes Jahr einmal und lassen sich anschauen und dann... sind sie wieder weg. Jeder redet drüber und wenn man sie nicht gesehen hat, kann man nicht mitreden.
Ein Gedanke vorweg, denn ich hab lang über Sternschnuppen nachgedacht: Jede Sternschnuppe ist doch im Grunde genommen ein Sterben, ein Sterben von einem Sternderl. Und das find ich persönlich ja eigentlich, nicht nur wegen meiner Namensähnlichkeit, traurig. Das Gros der Erdbewohner findet sowas aber schön. Und um das Ganze noch schlimmer zu machen: Wir wünschen uns auch noch was dabei. Bei jedem Tod eines kleinen Himmelskörpers wünschen wir uns was!
Ja sehr fein! Ich würd gern wissen, woher dieser morbide Brauch kommt (man könnt’s sicher googeln, aber dazu fehlt mir grad die Lust). Vielleicht wünschen wir uns, perfide wie die Menschheit ist, ja demnächst auch jedes Mal was, wenn sich wieder eine dieser kleinen, lästigen Fruchtfliegen im Ciderglaserl ertränkt, oder wie? Tja dann aber, dann hätt das Sternderl aber oft einen Wunsch frei, ziemlich oft...
Man merkt: Frau Stern hat einen leichten Grant auf die Sternschnuppen (und nebenbei auchFruchtfliegen). Und das wiederum hat Gründe. Man könnte auch sagen, es sind ABgründe, die sich da auftaten, aber der Reihe nach:
Ich hab mich nämlich eh drauf gefreut, eigentlich: Sternschnupperlnacht, super, schön, und sooooooo romantisch und alles. Und wünschen darf man sich auch was, das ist ja glatt so wie Weihnachten mitten im August! Da hat’s sich das Sternderl natürlich nicht nehmen lassen, sich gründlich drauf vorzubereiten mit Wunschliste schreiben und so. Also mal hurtig alle Wünsche aufgeschrieben, die man so hat und ganz wichtig natürlich auch nach Priorität geordnet, denn es gibt ja viele Wünsche, die das Sternderl Herz begehrt, aber wahrscheinlich nicht genug Sternschnuppen für alle. Also hab ich meine 57-Punkte-Wunschliste chartverdächtig geordnet. Ganz oben stand der Prince Charming, Mr Perfect, meine Kugelmensch-Hälfte.
Danach der obligate 6er im Lotto (mit Extra Vermerk: Aber bitte bei den Euromillionen, weil wenn schon denn schon), ewige Jugend und Schönheit, Gesundheit und natürlich (ganz uneigennützig) WELTFRIEDEN.
Und dann gab es da noch die kleineren Wünsche: z.B: endlich die Bikinifigur von Jessica Alba zu haben (ohne was dafür tun zu müssen, außer vielleicht Schokolade zu essen), eine Flasche Eierlikör, die niemals leer wird, eine Orchidee, die meinen grünen Daumen überlebt, Colin Firth in jung als Toyboy usw. usf.
Also eigentlich eh recht bescheiden die kleine Wunschliste der Frau Stern und vor allem totaaaaaal realistisch... Aber den Realismus konnt ich ja noch nie ausstehen, von daher passt das ja alles mal wieder wunderbar ins Konzept, man muss es sich nur lang genug einreden.
Meine spirituell heller erleuchtete Freundin, die EK, mit der ich meine Wunschliste mal kurz durchbesprochen hab, hat mich zwar gewarnt, aber ich wollt ja nicht hören! Wünschen kann nämlich verdammt nach hinten losgehen. Vor allem, wenn sich Wünsche erfüllen, man möcht’s nicht glauben, aber es ist tatsächlich so.
Man kennt die Gschicht ja, in der sich frau einen Parkplatz wünscht und ein paar Wochen später die Bulldoser anrollen und die schöne bunte Blumenwiese hinter ihrem Haus totplanieren, um dort ebenjenen (V)Erwünschten zu bauen.
So oder ähnlich ging’s mir mit meinen Wünschen. So oder ähnlich begab es sich, dass sich die Frau Stern letzte Woche des nächtens mit einem kleinen Glaserl Cider zum Rauchen auf ihren Balkon zurück zog. Da war’s Mittwoch. Die Sternschnuppen waren wohlgemerkt für Donnerstag angekündigt. Rechnet kein Schwein damit, dass die schon früher kommen... ich ja auch schon mal gar nicht.
Und so saß ich also nichtsahnend auf dem Balkon, schaute in den verdammt klaren Sternenhimmel, bis plötzlich Wuuuuummmmmmmm ... also sowas hab ich noch nie gesehen, in meinem ganzen Leben nicht! Direkt auf mich zu, so schien es, raste da ein kometenartiges Dings.
Ich denk nicht in dem Moment, ich denk an gar nix... dacht ich mir zumindest. “Schnell was wünschen” war der erste rationale Gedanke, der mir in den Sinn kam, aber die Ratio ist bei mir ja a bissl hinten geblieben, das Gefühl war stärker und zudem ist es ja auch so, dass man immer an genau die Dinge denkt, die man vermeiden möchte oder sollte... in solchen Momenten zumindestens. Das ist das Phänomen vom blauen Elefanten.
In meinem Fall hat der blaue Elefant einen Namen und der ist: Q. Mein Herz wünscht sich also den Herrn Q zurück, noch bevor der Verstand Lottosechser auch nur denken kann. Ja wie paniert kann man eigentlich sein!?
Auf den Schock erst mal einen mittelgroßen Schluck Cider. Ich bin ja regelrecht vor mir selber erschrocken.
Aber das Ganze kommt noch besser: Ich bin nämlich grad dabei, mir nachzuschenken, bin aber noch so zittrig von dem grad erst erlebten Schock, den mir meine unterbewussten Wünsche da verursacht haben, dass ich glatt und ung’schaut den leckeren Cider nicht ins Glaserl, sondern über mein Handy schütt. Ja darf denn das...!!? In dem Moment, in dem ich gegen mich selber einen Grant schiebend meine Augen ‘gen Himmel drehe und mir angesichts der glucksenden Geräusche meines mobilen Telefons denke: “Scheiße, jetzt wär ein neues Handy ned schlecht...” WUSCH: Die nächste Sternschnuppe. Na bumm, sitz di nieder! Das war auch ein Trumm Schnuppe! Und was mach ich? Statt dem Lottosechser, mit dem ich mir geschätzte 784 576 Handys hätt kaufen können, wünsch ich mir genau nur ein so deppertes Ding! Noch bevor ich mich selber verwünschen kann, halte ich inne, das wär ja noch eine viel blödere Idee gesetzt dem Fall, dass es genau in dem Moment das nächste Schnupperl regnet!
Also jetzt bitte, volle Konzentration! Wo ist die verflixte Liste hin? Wo hab ich die? Jetzt wo die Schnupperl da sind fehlt die Liste plötzlich. Herrschaft!! Hektisch durchforste ich das Papierchaos auf dem Schreibtisch... und ich war ja noch nie gut im „förstern“... etliche Zettel aber keine Liste und da ich aber keine Zeit zu verlieren habe, nehm ich den Zettelstoß, in dem sich die Liste irgendwo aufhalten muss, mit auf den Balkon.
Blendende Idee sag ich nur, wirklich spitze! Als ich nämlich das nächste Schnupperl so eh nur im Augenwinkel erhasche, hab ich grad meine private Korrespondenz mit dem Briten in der Hand und denk so bei mir: “Schad, mit dem hätt ich ob seiner glänzenden Performance eigentlich gern noch mal...”
Kaum gedacht, hätt ich mir gern selber eine runter gehauen! Und kaum denk ich, dass ich mir wirklich wünschte, ich würde endlich meine Wunschliste finden... schwupps... na dreimal dürft ihr raten! Richtig: Kometenhafte Schnuppe backbord voraus direkt über das Hausdach. Das fand ich ja dann schon irgendwie wieder witzig. Da hätt ich lachen können.
Keine 5 Minuten später hatte ich meine Liste gefunden. Sie war gleich unter dem mit „naughty texting“ betiteltem Zettel, der mich Minuten zuvor dazu verleitet hatte, an des Briten Klaus zu denken.
Wunderbar, ganz wunderbar, Frau Stern! Jetzt aber! Bei der nächsten Sternschnuppe nehm ich mir ganz, ganz fest vor zuerst einmal zu wünschen, dass sich meine anderen Wünsche nicht erfüllen.
Starren Blickes in den Himmel hab ich ausgeharrt: Bis 3 in der Früh auf dem Balkon. Es wurde dezent zugig. Ich wollt nicht reingehen und mir was zum Zudecken holen, man hätt ja eine Schnuppe versäumen können! Um drei in der Früh tat mir schließlich nicht nur das Genick vom starren Nach-oben-schauen weh (so weh, dass ich den Wunsch nach einer Nackenmassage echt unterdrücken musste), sondern ich fühlte auch mein Näschen nicht mehr. Meine Zehen waren höchstwahrscheinlich blau, ich hab mich aber nicht getraut nachzuschauen, sind meine Füße doch der Physik und Gravitation sei Dank eher in entgegengesetzter Himmelsrichtung als die Sterne. Als mein Hals zu schmerzen begann und ich physisch wirklich nicht mehr konnte, hab ich aufgegeben. Ich hab mich mit der Hoffnung ins Bett gelegt, dass ich ja am Donnerstag noch die Chance auf zig Millionen Sternschnuppen hätte, weil das wurde so im Radio durchgesagt: Donnerstag sollten sie ja kommen die Plejaden... oder Perseden... oder Sternschnuppen halt.
Am nächsten Tag (und ja, das war der Donnerstag!): Regnete es! Sintflutartig! Den ganzen Tag, die ganze Nacht! Keine einzige Sternschnuppe zu sehen!!! Alles voller Wolken. Ich hab trotzdem Lotto gespielt, aber dann kam sowieso alles ganz anders... und das obwohl oder gerade weil ich verschnupft war!
In diesem Sinne: “Hatschi” und Fortsetzung folgt...